Zwischentöne weckten das Verlangen

Ein Konzert zu Schuld und Buße mit dem Symphonieorchester Vorarlberg, dem Kammerchor Feldkirch und dem Vocalconsort Berlin beendete am Samstagabend im Montforthaus Feldkirch die 11. Montforter Zwischentöne. Führende Expertinnen des Verlangens, internationale Stars der Alten Musik und eine Vielzahl an Musikerinnen aus der Region widmeten sich in den sieben unterschiedlichen Programmpunkten den vielen Facetten des Begehrens.

Der nächste Schwerpunkt findet unter dem Titel »schweigen – Über Stille, Leere und Zwischen raum« vom 8. bis 18. November 2018 statt. Eine Neuerung hat das Festival für den internationalen Wettbewerb für Konzertdramaturgie bekannt gegeben: Der HUGO, dessen Ausschreibung für 2019 läuft, steht aufgrund der positiven Entwicklung des Formats ab sofort Studierenden aller deutschsprachigen Musikhochschulen offen.

 

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Mit der Vernissage zum »Tristan Vorspiel« startete am Mittwoch das Hauptprogramm der Montforter Zwischentöne zum Thema Begehren. Live zur Eröffnung spielte das neue Jazz-Groove-Blasmusik-Trio von Andreas Broger, Johannes Bär und Alfred Vogel auf. Die drei bekannten Bregenzerwälder Instrumentalisten musizierten live die Musik der Tristan-Installation und spielten eigene Werke. Die Installation bei der Agentur Zeughaus war von 28. Juni bis 7. Juli täglich 10 bis 20 Uhr geöffnet.

 

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Öffnung des HUGO-Wettbewerbs für alle Hochschulen
Ja zur Uraufführung des Nürnberger Ensembles »StimmImpuls« sagten am Donnerstagabend zahlreiche Besucher in der Villa Claudia. Im »Haus der Wünsche«, in das die Sieger des HUGO-Wettbewerbs das Standesamt verwandelten, führten die Künstlerinnen von Raum zu Raum durch die verschiedenen Stadien und Formen des Begehrens – mit Tanz, Gesang und Kammermusik. Das große Publikumsinteresse zeigte, dass sich das Format seit Beginn der Montforter Zwischentöne höchst positiv entwickelt hat. Ein guter Grund, den internationalen Wettbewerb weiter zu öffnen: Ab sofort sind Studierende aller deutschsprachigen Musikhochschulen zum HUGO zugelassen.

 

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Ein musikalisches Fest, gefolgt von Schuld und Buße
Das ausverkaufte Konzert im am Freitagabend zeigte eines deutlich: Wenn europäische Renaissancemusik und arabische Poesie miteinander verwoben werden, entsteht ein höchst außergewöhnliches Format. Das renommierte belgische Ensemble Zefiro Torna, die fünf Virtuosen des Vocalconsort Berlin und die aus Tunesien stammende Sängerin Ghalia Benali feierten mit ihrem Dialog ein musikalisches Fest, das verschiedene Welten zusammenführt und damit alle Grenzen aufhebt.

 

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Mit großer Musik zu Schuld und Buße gingen die 11. Montforter Zwischentöne gestern Abend zu Ende. Im Mittelpunkt des Konzerts stand die persönliche Geschichte von Carlo Gesualdo. Der Fürst von Venosa erdolchte 1590 seine Frau und deren Liebhaber. Eine Tat, die im damaligen Italien als »Ehrenmord« nicht juristisch geahndet wurde. Trotzdem zerbrach er fast vor Kummer und Buße und schrieb hochemotionale und wegweisende Musik, die wahrscheinlich ohne diese Tat niemals entstanden wäre.

 

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Als Botschafter in der Stadt und im ganzen Land unterwegs
Als Ort der gemeinsamen Stadtöffentlichkeit haben die Montforter Zwischentöne beschlossen, in Zukunft einmal im Jahr mit einem Format aus der Innenstadt hinaus- und in die einzelnen Stadtteile hineinzugehen. Den Anfang machte Altenstadt mit einem Spaziergang zu drei Lesungen mit Live-Soundtrack – ein Text- und Kompositionsauftrag an zwei Meister des skurrilen Humors mit Feldkircher Wurzeln: Christian und Gerald Futscher, Schriftsteller und Komponist.

Die Botschaft der Montforter Zwischentöne trug der »Salon Paula« ins ganze Land. Sieben Expertinnen und Musiker vom Sexualforscher über die internationale Oboen-Virtuosin bis zum Schuldenberater konnte das Publikum im Juni zu sich nach Hause einladen. Mit dem Format widmet sich das Festival einmal im Jahr der Tradition der historischen Salons, zu denen Wissenschaftler oder Künstlerinnen nach Hause eingeladen wurden und ihre Werke hautnah einem kleinen, ausgewählten Freundeskreis vorstellten.

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Nächster Schwerpunkt im Herbst dem Schweigen gewidmet
Unter dem Titel »schweigen – Über Stille, Leere und Zwischen raum« widmen sich die Montforter Zwischentöne vom 8. bis 18. November 2018 den leisen Tönen. Auf dem Programm stehen Bildergeschichten von Vorarlberger Fotografinnen und Fotografen, die ein Live-Soundtrack von Peter Herbert (Bass), Hu Warren (Piano) und Lisa Hofmaninger (Sax) begleitet; eine systemische Aufstellung gesellschaftspolitischer Konflikte in Vorarlberg; eine Live-Illustration aus dem Nichts mit Francesco Ciccolella und Musikern des Stegreiforchesters Berlin; die Kunst der Fuge mit dem Saxophon-Quartett Signum, Domorganist Johannes Hämmerle und Streichern des Landeskonservatoriums; eine Tanzperformance zu Musik und Malerei der Renaissance mit dem Ensemble Laborgras; sowie ein Sonntagmorgen mit drei Meditationen, zu denen eine Zenmeisterin und Ordensfrau, ein Musiker, ein Künstler, ein Philosoph und ein Handwerker geladen sind.

Das Keyvisual für den nächsten Schwerpunkt – ein leeres Notenblatt – hat Angelika Mathis entwickelt. Die Arbeiten der Vorarlberger Gestalterin wurden vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Joseph Binder Award, dem TDC Award (Type Directors’ Club, New York) und bei der Design Biennale in Brno.

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