Corona Update

Das Begräbnis der Gewissheiten, der Privatsphäre und der Muße. Drei Nachrufe auf den Nachruf.

26. – 28. Juni 2020

 

Corona Update 1:

Das Begräbnis der Gewissheiten

Ein Nachruf der Philosophin Alice Lagaay. Trauermusik »Das Kollektiv«, Juan Carlos Díaz (Querflöte) und Raphael Brunner (Akkordeon)

Premiere am Freitag, 26. Juni 2020, 20 Uhr

Alice Lagaay ist Professorin für Ästhetik und Kulturphilosophie im Design Department der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Philosophie der »negativen« Performanz (Schweigen, Nicht-tun, Indifferenz…). Sie ist Mitgründerin des internationalen Forschungsnetzwerkes Performance Philosophy (performancephilosophy.org) und Mitherausgeberin einer Buchreihe zum gleichen Thema. Sie hält regelmäßig Vorträge und Workshops – auch außerhalb der Universität – zu Strategien des Widerstandes gegen die Überforderungen der Leistungsgesellschaft.

 

Corona Update 2:

Das Begräbnis der Privatsphäre

Eine Rede auf die Verstorbene von Peter Schaar, ehem. Bundesdatenschutzbeauftragter von Deutschland. Improvisation »Das Kollektiv«, Juan Carlos Díaz (Querflöte) und Raphael Brunner (Akkordeon)

Premiere am Samstag, 27. Juni 2020, 20 Uhr

Peter Schaar, Dipl.-Volkswirt, Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz; Bundesbeauftragter Deutschlands für den Datenschutz und die Informationsfreiheit a.D.; Vorsitzender der Schlichtungsstelle der Gesellschaft für die Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik); Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg.

 

Corona Update 3:

Das Begräbnis der Muße

Trauerrede des Philosophen Thomas Macho. Improvisation »Das Kollektiv«, Juan Carlos Díaz (Querflöte) und Raphael Brunner (Akkordeon)

Premiere am Sonntag, 28. Juni 2020, 20 Uhr

Thomas Macho gehört zu den renommiertesten Philosophen und Kulturwissenschaftlern des deutschsprachigen Raums. Seit 2016 leitet er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) der Kunstuniversität Linz in Wien. 2019 wurde er mit dem Sigmund Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

 

Über das Format der Begräbnisse

Als wir im Januar 2019 die Idee für die drei Begräbnisse der Gewissheiten, der Muße und der Privatsphäre entwickelten, hatten wir vor allem die Herausforderungen und Gefahren der Digitalisierung unserer Gesellschaft im Blick. Aktuelle und drängende Themen, die dann Ende Februar 2020 auf sinnlicher wie intellektueller Ebene sehr anregend umgesetzt wurden.

Nur kurze Zeit später fanden wir uns alle in einer nie gekannten Situation wieder: Unsere vermeintlichen Gewissheiten, Gegenwart wie Zukunft betreffend, schienen verloren. Tracing-Apps als Voraussetzung zur Wiedergewinnung unseres Aktionsradius würden unser Verhältnis zur Privatsphäre grundlegend verändern.

Und die Sehnsucht nach Muße wurde durch die erzwungene Erfahrung des Stillstandes ersetzt. Auf diese neue Situation wollten wir unbedingt reagieren: Die Gegenüberstellung der Reflektionen aus Februar und Juni könnten ein historisches Zeitdokument der Corona-Krise werden: Wir, unsere Einsichten und Einstellungen zu diesen drei Themen werden sich in den letzten Wochen grundlegend verändert haben. Und wir erweitern gleichzeitig die Zwischen töne um ein neues, digitales Format.

Ein Höhepunkt der Montforter Zwischentöne im vergangenen Februar waren die drei Performances in Form von Totenreden auf die Gewissheiten, die Privatsphäre und die Muße. Im Rahmen unseres Winterschwerpunktes »sich verlieren« hatten wir namhafte Denker mit Nachrufen zu diesen Themen beauftragt.

Das Ergebnis waren drei ausverkaufte Abende im Alten Hallenbad mit Musik des Vienna Reed Quintet, einer spektakulären Bühne der drei Baukünstler Helmut Dietrich, Hugo Dworzak und Christina Schlüter und erhellenden Reflexionen über die Ursachen des Verschwindens der drei Verstorbenen.

Wir baten nun die zwei Experten und die Expertin von ihren Homeworking-Arbeitsplätzen aus um ein kurzes Corona-Update ihrer Begräbnisreden von diesem Februar. Digital und mit Trauermusik von »Das Kollektiv«, Juan Carlos Díaz (Querflöte) und Raphael Brunner (Akkordeon).

 

Die drei Begräbnisse im Februar 2020 verpasst?

Hier geht es zur Aufzeichnung zum Nachhören.

 

Das Kollektiv

Juan Carlos Díaz (Querflöte) und Raphael Brunner (Akkordeon) gehören zu der noch seltenen Spezies klassisch ausgebildeter Musiker, die in der Interpretation wie auch in der Improvisation gleichermaßen zuhause sind. Sie sind Preisträger des Zwischentöne Wettbewerbs für neue Musikformate »Hugo« sowie Gewinner der Konzertreihe »Jovenes Interpretes« in Kolumbien. 2019 erschien ihre erste CD »Timeless« mit Werken von Bach, Piazzolla und eigenen Improvisationen.

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