Musikalischer Höchstgenuss in der Abendsonne: Der Konzertspaziergang der Montforter Zwischentöne

Musik von Beethoven bis Drum ’n’ Bass, kühle Drinks und bereichernde Begegnungen – so lautete das vielversprechende Programm für den Konzertspaziergang der Montforter Zwischentöne. Und das war nicht zu viel versprochen.

„Unglaublich, wie das kulturelle Angebot in Feldkirch in den letzten Jahren gewachsen ist. Plötzlich sind hier Dinge erlebbar, die ich nicht einmal von großen Städten kenne. Und wenn ich, so wie heute, Beethoven live gespielt durch die Gassen klingen höre, dann sehe ich die ganze Stadt in neuem Licht.“

Annette ist nur eine von vielen begeisterten Stimmen. Mehr denn je scheint die Veranstaltung den Nerv der Zeit zu treffen. Kein Wunder: Keine vollen Konzertsäle, keine Drängelei. Ein kleines, familiär anmutendes Format, das dennoch mit höchstem musikalischem Angebot und dem Flair der Öffentlichkeit punkten kann.

„Wir wollen ein kraftvolles Zeichen in der Corona-Krise setzen. Es geht nämlich – bei aller Sensibilität für die Thematik – auch darum, Mut zu machen. Die Stadt soll wieder ein Begegnungs- und Kulturraum sein, kein Angstraum“, so Hans-Joachim Gögl, der künstlerische Leiter der Montforter Zwischentöne.

Zwischentoene 20-2
Foto: Matthias Rhomberg

Ensembles des Symphonieorchesters in den schönsten Höfen der Stadt

Um 17:10 Uhr erschallt die Stadt in feierlicher Musik. Immer noch stehen Wartende am Ticketschalter. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Im Palais Liechtenstein spielt bereits das erste Ensemble, ein Streichquartett, das Werke von Franz Schubert darbietet. In wiegender Sanftmut, in wogender Dringlichkeit, mit Entschlossenheit und berührender Wärme zugleich – im Konzertraum unter freiem Himmel kommen auch die leisesten Töne zur Geltung.

Nicht weit entfernt widmet ein Bläseroktett seinen Auftritt dem Frühwerk Beethovens. Mitten auf dem Marktplatz kommen nicht nur die geladenen Gäste in den Genuss festlicher Musik, sondern auch die BesucherInnen der umliegenden Cafés. Von überallher werden Stühle in Richtung Musik gedreht, von überallher wird laut geklatscht. Etwas ruhiger, wenngleich nicht weniger intensiv geht es an den lauschigen Schattenplätzen des kleinen Gymnasiumhofs und des Raiffeisenplatzes zu. Im kleinen Gymnasiumhof spielt das Frauenduo Gemini Violinstücke von Haydn bis Telemann. Sanft plätschert der Brunnen im Hintergrund und die Bäume rauschen ihr Lied zur Musik. Und am Raiffeisenplatz lauscht man den leidenschaftlich tragischen, aber auch erlöst beseelten Erzählungen einer Geige im Duett mit einer Bratsche.

Auch am Elisabethplatz erklingt symphonisches Programm. Das spielende Hornquartett schätzt die Unmittelbarkeit des Formats und die Nähe zum Publikum: „Sehr viele Gäste kommen nach dem Spiel auf uns zu, stellen Fragen oder beginnen interessante Gespräche untereinander. Das ist im vollen Konzertsaal nur selten möglich.“

Eine Brassband, ein Marimbaphon und eine Drehleier im verborgenen Garten

In der Neustadt tanzen die Schlegel abwechselnd über ein Marimba- und ein Vibraphon, eine Flöte vollendet die Melodie. Mal träumerisch, mal fließend, mal rhythmisch akzentuiert: Hier wird Astor Piazolla zum Besten gegeben. Ganz anders klingt es im verborgenen Garten zwischen Vorstadt und Marktplatz. Hier, wo eine sonnenbeschienene Wiese, gekühlte Getränke und Liegestühle Erinnerungen an Gartenfeste wachrufen, lauschen rund 40 Gäste einer Drehleier. Viele von ihnen sehen nicht nur den Garten, sondern auch das Instrument zum ersten Mal. Es summt, pfeift, dudelt und raunt. Es hat Tasten, Saiten und eine Kurbel. Wenn Matthias Loibner darauf spielt, fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit der wandernden Liedermacher. Dabei ist die Drehleier kein veraltetes Instrument, sondern erlebt seit einigen Jahren einen kleinen Boom.

Laut dagegen geht es im großen Gymnasiumhof zur Sache. D´Glorious BRASStards sind selbst beeindruckt von der spektakulären Soundkulisse: „Mit der Wand im Rücken und dem leicht abfallenden Pflaster ergibt sich ein gewaltiger Klangraum.“ Der Großteil der achtköpfigen Band aus Blasinstrumenten und Schlagzeug spielt auch im Symphonieorchester, hält sich heute aber ganz und gar nicht ans symphonische Programm. Gleich in der ersten Nummer werden neun Themen aus Beethovens Werk in einer böhmischen Polka vertont.


Zwischentoene 20-2
Foto: Matthias Rhomberg

Café Drechsler auf der Waldbühne: Eine Kooperation mit dem poolbar Raumfahrtprogramm

Nicht weniger energisch klingt es auf der Waldbühne im Reichenfeld. Das legendäre Trio aus Alex Deutsch am Schlagzeug, Oliver Steger am Kontrabass und Ulrich Drechsler am Saxophon heißt „Café Drechsler“ und gilt als eine der ersten und wichtigsten Bands der akustischen Clubmusik. Was sie auch in größter Hitze mit Bravour unter Beweis stellt. Gerade erst aus Klagenfurt angereist, gab die Band sich vor dem Konzert noch vage: „Wir improvisieren immer. Keiner von uns weiß, was kommt. Das hängt vom Wetter ab, von den Gästen und davon, wie wir gegessen und geschlafen haben.“ Nun, am Ende des Abends, wird getanzt. Vereinzelt und mit Abstand, aber umso wilder. Es wird gewippt, gestampft, gejubelt und begeistert geklatscht. Das Saxophon zeigt, wie schnell es spielen kann, das Schlagzeug wirbelt Staub auf – nirgends prachtvoller zu sehen als im gleißenden Licht der Abendsonne. Eines ist sicher: schöner könnte dieser klangvolle Spaziergang nicht enden.