Wie viel Fake ist in den News?

 

Der Journalist und Wall-Street-Korrespondent der Börsen-Zeitung Stefan Paravicini ist einer von sieben internationalen Experten mit Feldkircher Wurzeln, die am 23. Februar 2018 bei den Montforter Zwischentönen ihr Wissen und ihre Ideen zur Zukunft der Stadt in den »Dialog für Feldkirch« einbringen.

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Sie leben und arbeiten heute in der Metropole New York, fernab Ihrer kleinen Heimatstadt. Was war Ihr erster Gedanke, als die Einladung zum »Dialog für Feldkirch« Sie erreichte?

Ich habe mich erst einmal gefreut und dann überlegt, ob ich zu diesem Dialog etwas beitragen kann. Jetzt bin ich gespannt auf die Veranstaltung und freue mich auf einen regen Austausch über unsere Stadt. Und apropos Metropole: Als in der Gegend des heutigen New Yorker Finanzzentrums die erste Stadtmauer gebaut wurde, auf die auch der Name der „Wall Street“ zurückgeht, hatte die Stadt Feldkirch schon mehr als 400 Jahre seit ihrer Gründung hinter sich gebracht.

Journalisten stehen derzeit in der Schusslinie des US-Präsidenten, der alles als »Fake News« bezeichnet, das ihm nicht passt. Welche Auswirkungen haben diese Angriffe auf Ihre Arbeit?

Mein Fach ist der Wirtschaftsjournalismus, seit der Angelobung von Donald Trump muss ich mich allerdings vor allem als Theaterkritiker bewähren. Aber im Ernst: Trump ist nicht der erste Politiker, der Medien kritisiert. Neu ist, dass die Kritik wenig mit den Fakten zu tun hat. Wenn Trump meint, dass bei seiner Angelobung so viele Menschen wie noch nie zugeschaut haben, sollen Journalisten das so berichten, obwohl es offenkundig falsch ist. Und so funktionieren freie Medien eben nicht.

Woher kann man eigentlich wissen, dass eine Information tatsächlich vertrauenswürdig ist?

Ich finde es vernünftig, Medien mit Skepsis zu begegnen und sich auch darüber im Klaren zu sein, dass sie mindestens so viel mit Unterhaltung wie mit Information zu tun haben. Das ist vielen von uns auch ganz recht, wir wollen ja nicht nur informiert werden. Vertrauenswürdig ist eine Information, wenn mit ihr eine Quelle geliefert wird, die man auch überprüfen kann. Machen Sie sich einmal den Spaß und zählen Sie mit, wie viele Nachrichten, die Sie heute hören, diesen Standard erfüllen.

Apropos Vertrauen, was würden Sie Feldkirch für eine glaubwürdige Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern empfehlen?

Das ist aus der Entfernung  knifflig zu beurteilen, auch weil ich seit bald zwanzig Jahren nicht mehr in Feldkirch lebe. Da wartet glaube ich niemand auf meine Empfehlungen. Es ist aber ein spannendes Thema für den Dialog bei den Zwischentönen, bei dem mich vor allem die Wahrnehmung der FeldkircherInnen interessieren würde, die von außen in die Stadt gekommen sind und heute hier leben. Vertrauen hat viel mit Transparenz zu tun und da erkenne ich aus der Distanz keine Mängel.

Sind soziale Medien in dieser Beziehung ein Fluch oder ein Segen?

Ich finde dass die sogenannten sozialen Medien – also Online-Plattformen wie Facebook, Twitter oder Snapchat – großartige Möglichkeiten bieten. Das gilt sicher auch für die Kommunikation und Vernetzung in einer Stadt und über die Stadtgrenzen hinaus. Als Journalist sieht man das übrigens mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil die Unternehmen hinter diesen Plattformen heute einen Großteil der Werbeerlöse einspielen, die früher Redaktionen finanziert haben.

Ohne die beiden gegeneinander auszuspielen, was können sich Feldkirch und New York voneinander abschauen?

Ich habe auf dem Weihnachtsmarkt in Feldkirch eine Bekanntschaft mit einem „Brooklynite“ gemacht, einem New Yorker aus dem Stadtteil Brooklyn, und wir waren uns schnell einig, dass es so etwas in New York nicht gibt. Das Geschiebe auf der Fifth Avenue im Advent ist da nur ein schwacher Trost. Was mich an den New Yorkern beeindruckt und wovon ich mir persönlich etwas abzuschauen versuche, ist ihre Gelassenheit, auf die man in so einer Stadt allerdings auch angewiesen ist.