Zivilcourage, Mut und Protest (III)

Situation: Man schrieb das Jahr 1944

 

»Winter, viel Schnee lag im hochgelegenen Bergdorf in Vorarlberg. Die SS war auch hier sporadisch präsent, repräsentiert vom Polizeiortskommandanten mit drei Polizisten. Diese betraten eines Tages das Gemischtwarengeschäft, das einzige im Orte, hoben den Arm zum Gruße und riefen lauthals »Heil Hitler!« Die Besitzerin, mittlerweile Witwe und Mutter von vier Kindern erwiderte: »Bi önsch sät ma allig Grüaß Gott!« Die anwesenden Kundinnen sahen in ihrer Angst vor der aufkommenden drohenden Gefahr betreten weg. Wohin? In die leeren Holzregale dieser Zeit. Der darauffolgende lauthalse Wortwechsel zwischen der resoluten Geschäftsinhaberin und des SS-Schergenkommandanten endete mit dessen Worten: Wir kommen wieder!

Wie ging diese Begegnung aus? Sie, die Geschäftsinhaberin hatte wirklich Glück. Aufgrund ihres Namens und ihrer Bekanntheit in diesem Dorfe, vieler namhaften Persönlichkeiten die fast allesamt per DU mit dem Polizeiortskommandanten waren, wurde von einer Verhaftung und den daraus oft fürchterlichen Folgen abgesehen. Nach dem Krieg: Wieder alles beim Alten. Man grüßte sich als wäre nichts geschehen mit einem »Grüaß Gott«. Den Postenkommandanten gab es nicht mehr. Doch einer von den Soldaten mit renommiertem Namen im Dorfe besuchte die Geschäftsinhaberin: Du, miar tüand so als wär nüt gsei.«

Engelbert Walch, Chorsänger

Zum Statement: Zur Vorbereitung auf die gemeinsame Arbeit am Oratorium (Aufführung am 9. März) haben die Montforter Zwischentöne die Musikerinnen und Musiker des »Kammerchor Feldkirch« und »Concerto Stella Matutina« nach ihren persönlichen Erfahrungen zu Zivilcourage, Mut und Protest befragt. Herausgekommen sind berührende, verblüffende und realistische Alltagserfahrungen.

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