Zivilcourage, Mut und Protest (V)

Situation: Unser Mathematiklehrer war gewalttätig

 

»Ich wurde 1970 geboren und gehöre einer Generation an, bei der Gewalt von Lehrern an Schülern eigentlich nicht mehr erlaubt war. Als 11-jähriges Mädchen war ich Sprecherin einer wilden Klasse. Wir hatten einen sehr aggressiven Mathematiklehrer, der die Angewohnheit hatte, Kinder an die Tafel zu holen und ihnen Rechenaufgaben zu stellen. Bevor man sie beantworten konnte, bekam man schon eine heftige Ohrfeige und wurde verurteilt: »Du dumme Kuh oder du Idiot. Du bist eh zu blöd. Setz Dich wieder.« Eines Tages war unser Lehrer wieder besonders aggressiv. Etwas störte ihn. Er zog dann einen Mitschüler am Pullover über mehrere Tisch hinweg, warf ihn auf den Boden und trat ihm mit seinen Holzschuhen in den Bauch. Ich war derart schockiert, dass ich aufstand und ihn anschrie: Er solle sofort aufhören! Zu der Klasse habe ich gesagt: »Kommt alle mit, jetzt reicht es! Wir gehen zum Direktor.« Wir zogen direkt dort hin und erzählten ihm, was passiert ist. Seit diesem Tag hat der Mathematiklehrer nie wieder eine Klasse in meiner Schule unterrichtet.«

Barbara Meditz, Fagott

Zum Statement: Zur Vorbereitung auf die gemeinsame Arbeit am Oratorium (Aufführung am 9. März) haben die Montforter Zwischentöne die Musikerinnen und Musiker des »Kammerchor Feldkirch« und »Concerto Stella Matutina« nach ihren persönlichen Erfahrungen zu Zivilcourage, Mut und Protest befragt. Herausgekommen sind berührende, verblüffende und realistische Alltagserfahrungen.

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