Zivilcourage, Mut und Protest (VI)

Situation: In unserem Beruf als Musiker

 

»In unserem Beruf als Musiker erlebe ich oft eine Tendenz des Schlechtredens. Im Austausch über Projekte, Dirigenten, Kollegen und selbst über Musik fühlt man sich manchmal direkt genötigt, ein Haar in der Suppe zu finden, um als kritischer Profi ernst genommen zu werden. Wir sind durch unser Studium und unseren Beruf so auf Selbstkritik gedrillt, dass oft aus den unbedeutendsten Fehlern oder Unzulänglichkeiten der anderen eine große Sache gemacht wird. Da wird nur allzu oft die Grenze zwischen berechtigter Kritik und Lästern und Herabwürdigen überschritten. Praktisch immer in Abwesenheit der betreffenden Personen, die damit keine Möglichkeit bekommen, sich zu erklären, und auch fast immer ohne persönliche Konsequenzen, die da heißen könnten, das Ensemble zu verlassen, oder das kollegiale Gespräch zu suchen, um Unstimmigkeiten auszuräumen. Hier nicht nur nicht mitzumachen, sondern die Kirche im Dorf zu lassen und eventuell Kollegen darauf aufmerksam zu machen, dass sie möglicherweise zu weit gehen, braucht Mut und ist eine tägliche, nicht zu unterschätzende Herausforderung. Denn schlechte Worte schaffen auch irgendwann schlechte Realitäten. Für andere, aber auch für einen selbst. Der Ton macht die Musik …«

Lucas Schurig-Breuß, Viola

Zum Statement: Zur Vorbereitung auf die gemeinsame Arbeit am Oratorium (Aufführung am 9. März) haben die Montforter Zwischentöne die Musikerinnen und Musiker des »Kammerchor Feldkirch« und »Concerto Stella Matutina« nach ihren persönlichen Erfahrungen zu Zivilcourage, Mut und Protest befragt. Herausgekommen sind berührende, verblüffende und realistische Alltagserfahrungen.

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